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Bundeshaus West, Bern, 2010

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Mit souveräner städtebaulicher Geste nimmt das 1857 eingeweihte erste „Bundesrathaus“ die Logik der Bundesgasse, der Bundesbauten und des angrenzenden Stadtquartiers vorweg. Das Gebäude erzeugt bis heute eine unterschwellige Spannung – nicht mit prunkvollem Auftritt, sondern mit kultivierten Materialien und ornamental und bauplastisch veredelten Oberflächen. Die neue Gestaltung des Ehrenhofs bringt die Präsenz und magistrale Unnahbarkeit des restaurierten Denkmals zur Geltung. Sie führt den Ort auf seine ursprüngliche Idee zurück, pflegt die Erinnerung an seine Metamorphosen, räumt auf, schafft Respekt vor der Machart und der Permanenz des Vorhandenen. Die einst in Bergbächen aller Landesgegenden gesammelten Pflastersteine wurden gereinigt und nach den Regeln des alten Handwerks neu verlegt: radial um den herausgeputzten Berna-Brunnen, quer zur Bewegungsrichtung an der Vorfahrt, parallel zum Mittelrisalit in dessen Vorbereich. Von der Präzision, die die Machart des Bodenbelags erfordert, ist das Zentrum des Hofes gleichsam aufgeladen. Wie Intarsien säumen glatte Streifen aus Natursteinplatten die von parkierten Autos und Stadtmobiliar befreiten Hoffassaden und bieten behindertengerechten Zugang. Golden schimmernde Messingbarren markieren entlang der Rasenparterres Standplätze für sechs schwarze Limousinen. Die Parterres und Bäume aus den 1970er Jahren werden belassen; sie genügen vorerst ihrem Zweck. Eine aus dem Gedankengut des Hofprojekts entwickelte Umgebungsgestaltung für alle Bundeshäuser bewährt sich 2011 in einem Projektwettbewerb im offenen Verfahren. Die Umsetzung ist in Vorbereitung.

Bauherr, Auftraggeber:
BBL – Bundesamt für Bauten und Logistik, Bern

Architekt:
Itten+Brechbühl AG, Bern

Texte:
Christoph Schläppi

Photograph:
Milo Keller

Projekt von 4d Landschaftsarchitekten