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"Alltagsorte im Zentrum der Macht"

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Sie leisten sich einen landschaftlichen Logenplatz: Bundeshaus West, Parlament und Bundeshaus Ost- 300 Meter Fassaden vor einem Bühnenbild, das wie ein Best-of der Schweizer Landschaft anmutet. Schroff wie Fels zur Aare abfallende Befestigungsmauern; das grünblaue Band in der Tiefe, das von der Macht des Wassers und seiner Bändigung erzählt; im Mittelgrund sanfte Hügel; im Hintergrund Alpengipfe. Zur Altstadt hin schaffen denkmalgeschützte Architektur, repräsentative Stadträume und Stadtalltag eine andere Welt.
Der Regierungssitz der Schweiz ist ein Stück gebaute direkte Demokratie. Wo Politiker und Staatsgäste ein- und ausgehen, da flanieren aber auch die Berner, trifft sich das Partyvolk, essen Angestellte im Sommer ihren Salat. Das ist politisches Konzept.
Dass der Ort all das mit Selbstverständlichkeit trägt und ausstrahlt, hat auch mit der Aussenraumgestaltung zu tun.
Bei den Bundeshäusern macht sich die Landschaftsarchitektur allerdings unsichtbar - im besten Sinn. Sie bringt zum Strahlen, sichert Spuren, räumt auf. Sie nimmt Themen und Materialien auf, bereichert sie um Ruhe, Weite und überraschend reichhaltige Räume.
Zur Stadt gibt sich der Aussenraum repräsentativ. Die Ehrenhöfe vor den beiden Bundeshäusern haben über ein Minimum an Materialien und Elementen Verwandtschaft und fast monumentale Kraft erhalten: Niedrige, geschnittene Buchenkörper im sie umgreifenden Natursteinbelag besetzen die Hofzentren. Im Sommer grün, im Winter braun belaubt strukturieren sie den Hof, unterstreichen die Kraft der Fassaden und Stadträume.
Ganz anders die Landschaftsseite: Bundesterrasse und Alpenpanoramaquai feiern die Aussicht mit gelassener Offenheit.
Sie ist härter erkämpft, als der erste Blick verrät. Gussasphalt, belebt durch eingestreuten Buntkies, bildet die durchgehende Bewegungsebene. Poller bis Abfalleimer rücken durch Farbwahl und Platzierung in den Hintergrund. Versenkbare Absperrungen oder Schachtdeckel sind ins Belagsbild integriert. Rosskastanien vermitteln zwischen Hangkante und Baukörpern. Nahtlos weitet sich der Quai zur Bundesterrasse, einer Kiesintarsie im Hartbelag, deren Mittelachse das Panorama ins Zentrum stellt. Mühle und Schach, Stühle und Tische, Politbühne und Alltagsleben: Alles spielt zusammen. Zwischen gestalterischer Zurückhaltung und landschaftlicher Expressivität sind im Zentrum der Macht Alltagsorte zum Gernhaben entstanden.
Silke Schmeing, Fotos: Alexander Gempeler

Umgebungsgestaltung Bundeshäuser, 2018
Bauherrschaft: Bundesamt für Bauten und Logistik, Bern
Landschaftsarchitektur: extrā, Bern
Auftragsart: Wettbewerb, 2011
Architekturgeschichte: Christoph Schläppi, Bern
lndustriedesign: Gerhardgerberdesign, Bern
Lichtplanung: Priska Meier, Turgi
Signaletik: Wangler & Abele, München



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